Chronische Migräne: Der permanente Schmerzbegleiter

Chronische Migräne: Markieren Betroffene ihre Kopfschmerztage im Kalender, haben sie viele Kreuze zu machen.

Bei einigen Migränepatienten nehmen die Attacken über die Jahre hinweg so stark zu, dass sie fast ständig unter Migräne leiden. Eine solch schwere Form der Migräne hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Lebensqualität, da Betroffene häufig in der Arbeit ausfallen oder am Familienleben nicht richtig teilhaben können. Wie oft muss eine Migräne pro Monat auftreten, bis sie als chronisch eingestuft wird? Und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Definition: Ab wann ist eine Migräne chronisch?

Laut der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft ist eine Migräne chronisch, wenn an 15 und mehr Tagen pro Monat (über mehr als drei Monate) Kopfschmerzen auftreten.1 Außerdem müssen in diesem Zeitraum an acht oder mehr Tagen die Kriterien einer Migräne ohne Aura oder mit Aura erfüllt sein.

Bei der Diagnose muss der Arzt die Migräne von anderen Kopfschmerzen wie häufig auftretenden Spannungskopfschmerzen abgrenzen. Besonders die Einschätzung, ob die chronischen Kopfschmerzen auch Folge eines Schmerzmittelübergebrauchs sein können, stellt Ärzte oft vor eine Herausforderung. Denn die meisten Menschen, die sehr oft Migräne haben, greifen immer wieder zu Medikamenten, um die häufigen Migräneschmerzen erträglicher zu machen. Viele Betroffene entscheiden sich unter anderem auch deswegen für eine Selbstmedikation, weil sie von erfolglosen, ärztlichen Behandlungsversuchen frustriert sind.

Wer ist anfällig für chronische Migräne?

Wie auch bei episodischer Migräne sind die Ursachen der chronischen Form bisher noch nicht abschließend geklärt. Die chronische Form kann als eine Komplikation der episodischen Migräne angesehen werden.2

Mediziner haben davon abgesehen Risikofaktoren entdeckt, die in Zusammenhang mit der chronischen Migräne gebracht werden. Dazu gehören

  • Übergewicht,
  • Depressionen,
  • Angststörungen,
  • Stress und
  • Schlafstörungen (zum Beispiel durch Schlafapnoe, eine Erkrankung bei der Betroffene nachts Atemaussetzer haben).

Da oft mehrere Familienmitglieder eine schwere Migräne haben, vermuten Forscher außerdem einen genetischen Einfluss.3 Frauen sind etwa 4 bis 4,5-mal häufiger betroffen als Männer. Das Durchschnittsalter der Betroffenen liegt bei 42 Jahren. Im Vergleich dazu: Bei Menschen, die an episodischer Migräne leiden ist das durchschnittliche Alter etwa vier bis fünf Jahre niedriger.4

Leben mit chronischer Migräne: Was hilft?

Zur Akuttherapie bei Migräne sind verschiedene Schmerzmittel geeignet. Diese können bei einer sehr starken Migräne auch mit Triptanen kombiniert werden. Lassen Sie sich zur Einnahme von Medikamenten von Ihrem Arzt beraten, um einen Übergebrauch zu verhindern. Er kann ihnen auch Arzneien gegen Begleitsymptome wie Übelkeit verschreiben.

Um das Hämmern im Kopf langfristig zu behandeln, ist hingegen eine Gesamtkonzept mit unterschiedlichen Herangehensweisen sinnvoll. Dazu gehören sowohl eine medikamentöse Prophylaxe sowie verhaltenstherapeutische Maßnahmen. Als hilfreich erwiesen haben sich beispielsweise:

Mithilfe übergreifender Therapieverfahren kann die Anzahl der Kopfschmerztage bei chronischer Migräne deutlich reduziert werden. Wie lange die Migräne-Therapie andauert, richtet sich danach, wie sich die Kopfschmerzen bessern. Auch wenn Sie bisher schlechte Erfahrungen gemacht haben sollten: Verlieren Sie deshalb nicht den Mut und wagen Sie eine erneute ärztliche Behandlung. Die Chancen stehen gut, dass die Häufigkeit der Migräneattacken zumindest soweit reduziert werden kann, dass Patienten wieder nur noch episodisch an Migräne leiden.5

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1 Diagnostische Kriterien der ICHD-3 beta 2013. Abgerufen unter: https://www.ichd-3.org/1-migraine/1-3-chronic-migraine/ (Stand: 25.10.2017).

2 Göbel, H. (2012): Migräne. Diagnostik – Therapie – Prävention. Berlin, Heidelberg: Springer-Verlag. S. 29.

3 Cevoli S. et al. (2009): Family history for chronic headache and drug overuse as a risk factor for headache chronification. Headache Nr. 49, S. 412–418.

4 Straube et al. (2012): Therapie und Versorgung bei chronischer Migräne. In Nervenarzt. Berlin, Heidelberg: Springerverlag, S. 1602. Abgerufen unter: http://www.dmkg.de/files/dmkg.de/Empfehlungen/Empfehlung_Therapie_und_Versorgung_bei_chronischer_Migraene.pdf (Stand: 06.11.2017).

5 Obermann M. et al. (2014): Therapie der chronischen Migräne. In: Arzneimitteltherapie, Nr. 32, S. 155-158.