Migräne nach dem Sport? Lieber einen Gang runterschalten

Drei Menschen mit Migräne beim Walking - moderater Sport kann Migräne vorbeugen.

Den Stress im Alltag durch intensives Auspowern beim Sport abbauen? Für viele Menschen mit Migräne geht das nicht. Denn oft kündigt sich während des Trainings oder nach dem Sport eine Migräne an. Auf Bewegung verzichten müssen Sie deshalb aber nicht. Wir verraten Ihnen, was Sie vorbeugend tun können und welche Sportarten bei Migräne geeignet sind.

Warum kann es nach dem Sport zu Migräne kommen?

Sport hat viele positive Aspekte für die Gesundheit – von körperlicher Fitness bis hin zum Stressabbau. Migräne-Patienten müssen jedoch aufpassen, denn Sport kann auch ein Auslöser (Triggerfaktor) für eine erneute Schmerzattacke sein: Intensive Sportarten mit starker muskulärer Beanspruchung oder ruckartigen Bewegungen wie

  • Krafttraining,
  • Tennis oder Squash,
  • Kampfsportarten,
  • Ballsportarten wie Fußball oder Handball und

verursachen häufig Migräne nach dem Sport.1

Die Muskulatur verbrennt während und auch noch einige Stunden nach dem Training mehr Fett als sonst. Dazu benötigt sie Energie, die auch zu einem Energiedefizit im Gehirn führen kann – und dadurch bei Betroffenen auch zu einer Migräneattacke.2 Wichtig ist deshalb, dass die Glykogenspeicher (Glucose-Vorräte) des Körpers gefüllt sind, da sie vor allem das Gehirn mit nötiger Energie versorgen. Essen Sie daher etwa drei Stunden vor dem Training kohlenhydratreiche Nahrung wie Nudeln oder Kartoffeln, um Unterzuckerung und Migräne nach dem Sport zu vermeiden. Achten Sie außerdem darauf, genügen Flüssigkeit zu sich zu nehmen und halten Sie ausreichende Pausen ein – dann müssen Sie auch auf gemäßigtes Krafttraining nicht verzichten.

Wichtig: Während einer Attacke sollten Sie komplett auf Sport verzichten. Bewegung kann den Kopfschmerz verschlimmern.

Positive Effekte durch Sport bei Migräne

Sport ist allerdings nicht nur ein möglicher Auslöser von Migräne: Sportliche Betätigung kann auch eine wichtige Maßnahme zur Vorbeugung von Migräneattacken sein. Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Kiel konnten beispielsweise nachweisen, dass durch Ausdauersport sowohl Stärke, Dauer und Häufigkeit von Migräneattacken abnehmen können. Durch die regelmäßige Bewegung produziert der Köper mehr Endorphine, auch als Glückshormone bekannt, die sich positiv auf die Stimmung auswirken und Stress reduzieren.

Doch wie lässt sich Sport nun in den Alltag integrieren, ohne Migräne auszulösen? Für Betroffene sind vor allem moderate Bewegungsarten geeignet, unter anderem:

  • Walking
  • Fahrradfahren
  • Wassergymnastik
  • Langlauf
  • Yoga oder Pilates

Joggen ist ebenfalls eine gute Alternative, solange Sie es mit der Geschwindigkeit nicht übertreiben. Wählen Sie ein Tempo, in dem sie sich noch problemlos nebenher unterhalten können. Damit Sie nach dem Sport keine Migräne bekommen, sollten Sie außerdem nicht zu lange trainieren: 40-minütiges Training etwa dreimal in der Woche reicht aus. Vorher sollten Sie sich gut aufwärmen.

Welches Training ist für Sie geeignet?

Um herauszufinden, wann Sie nach dem Sport Migräne bekommen und welche Sportart Ihnen dagegen guttut, können Sie das Training in Ihrem Migränetagebuch festhalten. Wichtig sind dabei Angaben wie:

  • Wie lange haben Sie sich aufgewärmt?
  • Welche Übung(en) haben Sie gemacht?
  • Wie lange dauerte das Workout?
  • Wie stark waren danach die Kopfschmerzen?

Außerdem ist es hilfreich, den Trainingsplan mit einem Sportmediziner zu besprechen. Er kann Ihre körperliche Fitness besser einschätzen und einen speziellen Trainingsplan für Sie entwickeln, der auch Ihre Migräne berücksichtigt.

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1 Basler, H. D. et al. (Hrsg.) 5(2004): Psychologische Schmerztherapie, S. 376.

2 Mersch, P. (2006): Migräne: Heilung ist möglich. Norderstedt, S. 357.

3 Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (2011): Sporttherapie hilft bei Migräne und Kopfschmerzen. Abgerufen unter: http://www.dmkg.de/presse/id-2011/articles/presse-id-2011.html (Stand: 23.10.2017).

4 Kropp, P. et al. (2016): Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Interventionen zur Behandlung der Migräne. Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. In: Nervenheilkunde 7-8/2016. S. 502-514.