Migräne während der Periode – der weibliche Auslösefaktor

Die Periode ist häufig ein Auslöser der Migräne.

Starke Unterleibsschmerzen, Stimmungsschwankungen und Hautveränderungen – diese Symptome kennen die meisten Frauen während ihrer „Tage“. Bei einigen Frauen kommt es während der Periode jedoch zusätzlich zu Migräneattacken. Schuld daran ist die Konzentration der Hormone, die sich mit dem weiblichen Zyklus verändert. Durch die Einnahme der Pille oder in den Wechseljahren gerät sie ebenfalls aus dem Gleichgewicht.

Hormone: Welchen Einfluss haben sie auf die Migräne?

Hormonschwankungen zählen zu den häufigsten Auslösern (Triggerfaktoren) von Migräneattacken.1 Mediziner konnten bei Migränepatientinnen beispielsweise einen Zusammenhang zwischen der Migräne und ihrer Periode entdecken. Dabei unterscheiden Ärzte zwei Formen der Menstruationsmigräne:

  • menstruelle Migräne: Es kommt ausschließlich während (oder zwei Tage bis zwei Tage nach) Einsetzen der Periode zu einer Migräne.
  • menstruationsassoziierte Migräne: Migräneattacken können während der Periode, zusätzlich aber noch zu anderen Zeitpunkten im weiblichen Zyklus stattfinden.2

Der Einfluss der Hormone zeigt sich auch daran, dass Mädchen und Jungen vor der Pubertät relativ gleich häufig von Migräne betroffen sind. Nach der Pubertät nimmt der Anteil der Frauen allerdings deutlich zu.3

Migräne – warum gerade während der Periode?

Verantwortlich für die Kopfschmerzattacken während der Monatsblutung ist wahrscheinlich das Hormon Östrogen.4 Die Produktion dieses Botenstoffs schwankt während des monatlichen Zyklus, der bei den meisten Frauen durchschnittlich 28 Tagen dauert.5 Bis etwa zur Hälfte des Menstruationszyklus nimmt der Östrogenspiegel kontinuierlich zu. Anschließend nimmt er leicht ab, um dann etwa vier bis fünf Tage vor der Periode wieder anzusteigen. Kurz vor oder während der Periode fällt das Östrogen plötzlich stark ab – der Zeitpunkt, an dem sich häufig der Migräneattacke ankündigt.6

Mediziner vermuten, dass das plötzliche Absinken des Östrogenspiegels auch den Serotoninspiegel beeinflusst. Das Hormon Östrogen erhöht die Konzentration des Botenstoffs Serotonin im Gehirn. Wird weniger Östrogen produziert, nimmt in der Folge also auch die Menge des „Glückshormons“ Serotonin ab. Ein niedriger Serotoninspiegel in betreffenden Gehirnarealen kann die Schmerzreize erhöhen.7

Zudem schüttet der Körper während der Periode vermehrt Prostaglandin aus, einen Botenstoff, der für das Schmerzentstehen eine wichtige Rolle spielt. Dadurch kann eine Migräne während der Periode mit besonders starken Schmerzattacken und Unterleibsschmerzen einhergehen.

Migräne während der Wechseljahre und in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft und in den Wechseljahren ist der weibliche Hormonhaushalt vielen Veränderungen ausgesetzt. Bei etwa 80 Prozent der Migränepatientinnen bessert sich das Migräneleiden während der Schwangerschaft und Stillzeit vorübergehend.8 Bei Patientinnen, die an Migräne mit Aura leiden, können die Attacken hingegen zunehmen.9

Verschlechterungen sind meist auch während der Wechseljahre zu beobachten, bei der die Hormone stark schwanken können. Ist diese Phase vorbei, bessert sich die Migräne nach der letzten Monatsblutung (Menopause) bei vielen Frauen wieder.10

Migräne durch die Pille?

Der Zusammenhang zwischen der Pille und Migräne ist nicht so einfach: Während bestimmte Präparate die Migräne verbessern können, kann es bei manchen Frauen durch die Pille erst recht zu Migräne kommen.11

Da verschiedene Antibabypillen unterschiedlichen Einfluss auf die Hormonschwankungen nehmen, sollten Sie Ihre Migräne auch mit Ihrem Frauenarzt besprechen. Eventuell kann er Ihnen eine Pille empfehlen, die bei Migräne besser geeignet ist. Oft empfiehlt der Arzt auch, eine Pille auszuprobieren, die durchgängig – ohne Pause – eingenommen wird und Hormonschwankungen somit besser ausgleicht. Aber auch alternative Verhütungsmittel wie die Spirale oder Drei-Monatspille können getestet werden.12

Behandlung einer hormonbedingten Migräne

Zu hormonellen Therapieverfahren wie verschreibungspflichtigen Hormonpflastern oder einer oralen Gabe von Östrogen raten Ärzte mittlerweile ab. Denn die Kopfschmerzattacken werden so in der Regel nur um ein paar Tage verschoben, aber nicht verhindert. Östrogen-Gele, die auf die Haut aufgetragen werden und Frauen an ihren „kritischen Tagen“ schützen sollen, haben sich hingegen als wirksam erwiesen. Ein solches Gel wird etwa zwei Tage vor der erwarteten Monatsblutung aufgetragen und etwa eine Woche lang weiter angewendet.13

Daneben erfolgt die Behandlung einer Migräne, die im Zusammenhang mit der Periode auftritt, in erster Linie wie die einer „normalen“ Migräne: mit Schmerzmitteln oder speziellen Migränemitteln, sogenannten Triptanen.14 Da Sie wissen, wann die Migräneattacke vermutlich auftreten wird, können Sie sich darauf vorbereiten, indem Sie sich beispielsweise an den betreffenden Tagen nichts Wichtiges vornehmen, andere Reize wie Stress meiden, viel schlafen und Ihre Medikamente griffbereit halten.

__________________________

1 Kelman, L. (2007): The triggers or precipitants of the acute migraine attack. In: Cephalalgia. Ausg. 27, Nr. 5, S. 394–402.

2 Göbel, H. G. (o. A.): Kopfschmerzen und Migräne: Schwerpunkt Frauen, Schwangerschaft und Kinder. Abgerufen unter: http://www.schmerzklinik.de/wp-content/uploads/2009/02/kopfschmerzen_und_migrane_-_schwerpunkt_frauen__schwangerschaft__kinder_-_schmerzklinik_kiel.pdf (Stand: 20.12.2017).

3 Diener, H.C. (2006): Migräne. Taschenatlas spezial. (2. überarb. Auflg.). Stuttgart, New York: Georg Thieme Verlag. S. 8.

4 Bingel U. (2008): Migräne und Hormone: Was ist gesichert? In: Schmerz, Nr. 22, S.31–36.

5 Behrends, Jan C. et al.: (2012): Sexualentwicklung und Reproduktionsphysiologie, in: Duale Reihe: Physiologie, S.422.

6 Göbel, H. G. (o. A.): Kopfschmerzen und Migräne: Schwerpunkt Frauen, Schwangerschaft und Kinder. S.25. Abgerufen unter: http://www.schmerzklinik.de/wp-content/uploads/2009/02/kopfschmerzen_und_migrane_-_schwerpunkt_frauen__schwangerschaft__kinder_-_schmerzklinik_kiel.pdf (Stand: 20.12.2017).

7 Podbregar, N. Lohmann, D. (2012): Im Fokus: Neurowissen. Träumen, Denken, Fühlen ­ Rätsel Gehirn. Berlin, Heidelberg: Springer-Verlag, S. 204.

8 Göbel, H. G. (o. A.): Kopfschmerzen und Migräne: Schwerpunkt Frauen, Schwangerschaft und Kinder. S.25. Abgerufen unter: http://www.schmerzklinik.de/wp-content/uploads/2009/02/kopfschmerzen_und_migrane_-_schwerpunkt_frauen__schwangerschaft__kinder_-_schmerzklinik_kiel.pdf (Stand: 20.12.2017).

9 Totzeck, A. & Diener H. C. (2016): Migräne. in: Gaul, C./Diener, H.C.: Kopfschmerzen, Stuttgart, New York: Thieme Verlag. S. 62.

10 Totzeck, A. & Diener H. C. (2016): Migräne. in: Gaul, C./Diener, H.C.: Kopfschmerzen, Stuttgart, New York: Thieme Verlag. S. 62.

11 Taubert, K. (2006): Migräne ganzheitlich behandeln: die besten Strategien, um Anfälle zu vermeiden, Stuttgart, New York: Thieme Verlag.

12 Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (2005): Migräne. Informationen für Patientinnen und Patienten. Abgerufen unter: http://www.dmkg.de/files/dmkg.de/patienten/Download/migraeneinfo.pdf (Stand: 20.12.2017).

13 Göbel, H. G. (2012): Migräne: Diagnostik - Therapie – Prävention, Berlin, Heidelberg: Thieme-Verlag, S. 322.

14 Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (2005): Migräne. Informationen für Patientinnen und Patienten. Abgerufen unter: http://www.dmkg.de/files/dmkg.de/patienten/Download/migraeneinfo.pdf (Stand: 20.12.2017).