Migräne – eine schwere neurologische Erkrankung

Eine Frau fasst sich an den schmerzenden Kopf, sie leidet an Migräne.

Die Kopfschmerz-Attacken dauern bis zu drei Tage und es kann zu Übelkeit, Erbrechen und zu einer Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Gerüchen oder Lärm kommen. Körperliche Aktivität verstärkt die Schmerzen. In Deutschland leiden über acht Millionen Menschen an Migräne.1 Für Betroffene stellt die Migräne eine enorme Belastung dar, schließlich hat sie große Auswirkungen auf das Berufs- und Familienleben. Doch wie genau äußert sich nun eine Migräneattacke? Und ist jeder starke Kopfschmerz automatisch Migräne? In diesem Ratgeber finden Sie Antworten zu vielen wichtigen Fragen.

Migräne – die Einstufung

Kopfschmerzen sind nicht gleich Kopfschmerzen: Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) hat über 240 verschiedene Kopfschmerzarten klassifiziert.2 Außerdem hat sie Kriterien aufgestellt, nach denen Kopfschmerzen in drei Gruppen eingeteilt werden:

  1. Primäre Kopfschmerzerkrankungen
  2. Sekundäre Kopfschmerzerkrankungen
  3. Kraniale Neuropathien, zentraler und primärer Gesichtsschmerz und andere Kopfschmerzen“.3

Die Migräne zählt dabei zu den primären Kopfschmerzerkrankungen. Das bedeutet, der Kopfschmerz bei Migräne wird durch die Erkrankung selbst verursacht.
Sekundäre Kopfschmerzen treten dagegen auf

  • als Begleiterscheinung anderer Krankheiten (wie einer Erkältung oder einem grippalen Infekt) oder
  • auch als Folge eines Unfalls.

Die Kopfschmerzen sind somit Symptom der Erkrankung.

Migräne: Was ist das und wer leidet darunter?

Migräne äußert sich in wiederkehrenden Kopfschmerz-Attacken, die mit Begleitsymptomen einhergehen, die das vegetative Nervensystem betreffen. Auch wenn die Migräne in Medienberichten als Volkskrankheit bezeichnet wird, scheint vielen Außenstehenden noch nicht bewusst zu sein, wie sehr die Lebensqualität durch die Erkrankung eingeschränkt ist. Doch auch bei den Betroffenen besteht noch Informationsbedarf. Beispielsweise bezeichnen nur 27 Prozent der Migränepatienten ihre Beschwerden auch als Migräne. Viele benennen die Migräne zum Beispiel als Stress- oder Belastungskopfschmerz – möglicherweise, weil sie (noch) nicht wissen, dass sie an Migräne leiden und eine Diagnose fehlt.

Für alle, die mehr über das Thema Migräne wissen wollen, ein paar Fakten im Überblick:

  • Migräne gehört zu den neurologischen (das Nervensystem betreffenden) Erkrankungen.
  • In Deutschland leiden 12 bis 14 Prozent der Frauen und 6 bis 8 Prozent der Männer an Migräne.4
  • Bereits 4 bis 5 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland haben Migräne.5
  • Zum ersten Mal tritt sie meist zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr auf.6
  • Zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr kommt es zu den häufigsten Migräneattacken.7
  • Fast 40 Prozent aller Fälle werden nicht diagnostiziert.8

Wie sich eine Migräneattacke äußert und wie lange die Migräne dauert

Migräne tritt in vielen Formen auf, insgesamt unterscheiden Mediziner 22 verschiedene.9 Die häufigsten Ausprägungen sind die Migräne mit Aura und die Migräne ohne Aura. Die Migräne mit Aura äußert sich typischerweise mit visuellen Symptomen wie einem Flimmern oder Gesichtsfeldausfällen, aber auch durch motorische Ausfälle oder Sprachstörungen. Liegt eine Migräne ohne Aura vor, fehlen diese Symptome. Trotzdem können bei der Migräne ohne Aura – ebenso wie bei der Migräne mit Aura – die Kopfschmerzen mit anderen Migränesymptomen einhergehen. Zu diesen Symptomen zählen

  • Übelkeit,
  • Erbrechen sowie
  • Licht-, Lärm- und Geruchsüberempfindlichkeit,

die bei jedem Betroffenen jedoch sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können. Zudem gibt es Patienten, bei denen sich Migräneattacken mit und ohne Aura abwechseln.

Generell verschlimmern sich die Schmerzen während einer Migräneattacke, wenn der Betroffene körperlich aktiv ist: ein Merkmal, mit dem sich die Migräne von anderen Kopfschmerzarten wie Spannungskopfschmerzen abgrenzen lässt, da leichte körperliche Betätigung bei vielen Kopfschmerzformen häufig sogar zu einer Schmerzlinderung führt.

Die Haupt-Kopfschmerzphase der Migräne weist eine Dauer von 4 bis 72 Stunden auf. Die Migräneattacke kann mehrmals wöchentlich, alle paar Monate oder auch nur ein- oder zweimal im Jahr vorkommen. Im Durchschnitt treten Migräneattacken an dreieinhalb Tagen im Monat auf.10 Mediziner unterscheiden, was die Häufigkeit der Migräneattacken betrifft, daher noch einmal zwischen der episodischen Migräne (an bis zu 14 Tagen im Monat) und der chronischen Migräne. Charakteristisch für die chronische Form sind 15 und mehr Kopfschmerztage pro Monat, an denen an mindestens acht Tagen zusätzliche Migränesymptome auftreten.

Migräne: Ursachen und Auslöser

Migräne was ist das? Die Antwort darauf ist in einer umfassenden Klassifikation zu finden, die von der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft entwickelt wurde.11 Es gibt somit eine genaue Migräne-Definition. Was jedoch die Migräne verursacht, konnte noch nicht eindeutig geklärt werden, es gibt verschiedene Theorien. Zum Beispiel gehen Experten davon aus, dass das Gehirn eines Migräne-Patienten Reize schneller und früher aufnimmt und es dadurch zu einer vorübergehenden Fehlfunktion der schmerzverarbeitenden Systeme kommt. Es gibt auch bestimmte, akute Auslöser, die eine Migräneattacke verursachen können, zum Beispiel Stress, ausgelassene Mahlzeiten, Hormonschwankungen bei Frauen oder bestimmte Duftstoffe.12

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1 Kropp P et al. Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Interventionen: Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Nervenheilkunde. 2016; 7-8: 502-15.

2 Nobis, Hans-Günter: Schmerz – eine Herausforderung, 22016, Berlin [u.a.], S. 22.

3 The International Classification of Headache Disorders 3rd edition (Beta version). Abgerufen unter: https://www.ichd-3.org/ (Stand 07.12.2017).

4 Neurologen und Psychiater im Netz. Abgerufen unter: https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/migraene/was-ist-migraene/ (Stand: 13.10.2017).

5 Ebd.

6 Neurologienetz: Informationsportal für Ärzte. Abgerufen unter: http://www.neurologienetz.de/fachliches/erkrankungen/kopfschmerzen/migraene/#c1373 (Stand: 12.10.2017).

7 Ebd.

8 Radtke A, Neuhauser H. Low rate of self-awareness and medical recognition of migraine in Germany. Cephalalgia. 2012; 32: 1023 –30.

9 Göbel, Hartmut: Kopfschmerzen und Migräne: Ursachen erkennen, gezielt vorbeugen, erfolgreich behandeln. Abgerufen unter: http://www.schmerzklinik.de/wp-content/uploads/2009/02/kopfschmerzen_und_migrane_-_schwerpunkt_frauen__schwangerschaft__kinder_-_schmerzklinik_kiel.pdf (Stand: 12.10.2017).

10 Göbel, Hartmut: Migräne: Diagnostik, Therapie, Prävention; 2012, Springer, Berlin [u.a.], S. 71.

11 The International Classification of Headache Disorders 3rd edition (Beta version). Abgerufen unter: https://www.ichd-3.org/ (Stand 07.12.2017).

12 Totzeck, A. & Diener, H.C. (2016): Migräne. In: Gaul, C. & Diener H.C. (Hrsg.): Kopfschmerzen. Stuttgart: Georg Thieme Verlag. S. 62.