Migräne in der Schwangerschaft: Was tun?

Entspannungsübungen beugen Migräne in der Schwangerschaft vor.

Gerade zu Beginn der Schwangerschaft hat man viele Fragen im Kopf. Diese drehen sich vor allem um das Wohl des Kindes und was ihm möglicherweise gefährlich werden könnte wie beispielsweise bestimmte Medikamente. Die positive Nachricht vorweg: In der Schwangerschaft berichten 50 bis 80 Prozent1 der Frauen davon, dass sich die Migräne bessert und bei manchen sogar ganz verschwindet. Warum ist das so und was können Sie tun, falls die pochenden Kopfschmerzen doch einsetzen?

Migräne in der Schwangerschaft ohne Medikamente behandeln

Sind die Schmerzen erträglich, können Sie bei Migräne in der Schwangerschaft möglicherweise ganz auf Medikamente verzichten. Wichtig ist es, sich viel Ruhe und vor allem Schlaf zu gönnen. Am besten gelingt das in einem abgedunkelten Raum. Ein gekühltes Tuch an Schläfen oder Stirn und eine Wärmeflasche auf dem Bauch empfinden viele Frauen ebenfalls als angenehm. Achtung: Die Wärmeflasche sollte niemals mit zu heißem Wasser gefüllt und direkt auf die Haut gelegt werden. Eventuell kann zu viel Hitze am Bauch im ersten Schwangerschaftsdrittel zu Schäden bei der Entwicklung des Ungeborenen oder zu einer Fehlgeburt führen. Grundsätzlich wird Ihr Kind in der Gebärmutter ausreichend vor solchen Außenwirkungen im Fruchtwasser geschützt, dennoch sollte man es mit Wärmeanwendungen nicht übertreiben.

Was tun, wenn die Schmerzen oder Übelkeit sehr stark sind?

Bei starken Migränekopfschmerzen oder lang andauernder Übelkeit ist es auch in der Schwangerschaft nicht sinnvoll, die Heldin zu spielen und ganz auf Medikamente zu verzichten. Natürlich stellt sich die Frage, welche Medikamente kann ich jetzt noch nehmen, ohne, dass es gefährlich für mein Kind wird. Schließlich überwinden fast alle Arzneimittel die Plazenta und können somit zum Embryo gelangen. Grundsätzlich gilt, sich vor allem in der Schwangerschaft bei seinem Arzt zu versichern, welche Medikamente bei Migräne geeignet sind und wie diese dosiert werden müssen.

Diese Wirkstoffe kommen zur Schmerzlinderung zur Anwendung:

  • Paracetamol ist laut Leitlinie1 Mittel der ersten Wahl bei Migräne in allen Phasen der Schwangerschaft, wenn es nur selten eingenommen wird. Bisher wurden keine negativen Auswirkungen auf die Schwangerschaft und auf den Embryo beobachtet. Allerdings gibt es Studien, die eine längerfristige Einnahme mit einem erhöhten Asthmarisiko und Atemwegserkrankungen beim Kind in Zusammenhang bringen.
  • Für Acetylsalicylsäure (AAS), Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac gibt es entweder Hinweise auf eine fruchtschädigende Wirkung oder es liegen keine ausreichenden Erfahrungswerte vor. Diese Mittel dürfen deshalb nur in Ausnahmefällen eingenommen werden, auch wenn sie rezeptfrei erhältlich sind. Bei den Wirkstoffen ist ausschließlich die Einnahme im zweiten Schwangerschaftsdrittel zulässig (maximal bis zur 30. Schwangerschaftswoche).1 
  • Sollten Sie von starker Übelkeit während der Migräne betroffen sein, gibt es Medikamente, die Ihnen Linderung verschaffen. Befragen Sie dazu Ihren Arzt.

Wichtig zu wissen: Die Migräne in der Schwangerschaft ist nach heutigen Kenntnissen nicht gefährlich für Ihr Kind, wenn Sie ansonsten gesund sind. Ein gewisses Risiko ist natürlich nie ganz auszuschließen. Wenn Sie sich unsicher oder unwohl fühlen, suchen Sie Ihren Frauenarzt auf, um Ihre Sorgen anzusprechen.  

Positive Auswirkungen der Schwangerschaft auf die Kopfschmerzattacken

Positive Auswirkungen der Schwangerschaft auf die Migräne können vor allem die Frauen erwarten, deren Schmerzattacken durch den Einfluss der Hormone mit der monatlichen Regel auftreten und die von der Migräne ohne Aura betroffen sind. Vor allem im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel kann es zu einer Verbesserung der Migräne kommen.2 Doch warum ist das so? Zum einen hat die hormonelle Situation damit etwas zu tun, zum anderen die gesündere Lebensweise.

Als möglicher Migräneauslöser wird der Östrogenabfall während des weiblichen Zyklus diskutiert. Bei einer Schwangerschaft fällt dieser weg, da die Plazenta vermehrt Gestagene und Östrogene bildet. Der Östrogenspiegel steigt also und das Risiko für eine Migräneattacke sinkt. Dieser positive Effekt hält bis zur Geburt an, bis die Produktion der Plazenta ausbleibt. Mütter, die stillen, können den Östrogenspiegel noch eine Zeit lang ausgleichen. Deshalb bleiben einige Frauen bis nach der Stillzeit von ihrer Migräne verschont. In Einzelfällen verschwinden sie sogar ganz und kehren nie wieder zurück. 3

Trotz vieler positiver Berichte gibt es auch manche Frauen, bei denen die Migräne in der Schwangerschaft unverändert bestehen bleibt. Das betrifft vor allem werdende Mütter, die an Migräne mit Aura leiden.4

 Für eine gesündere Lebensweise spricht, dass Schwangere

  • regelmäßig essen und trinken,
  • sich ausgewogen ernähren,
  • auf Alkohol und Nikotin verzichten,
  • sich täglich bewegen (und/oder moderaten Sport betreiben),
  • Arzneimittel nur nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen oder absetzen.5

All diese Faktoren können das Risiko senken, eine Migräneattacke auszulösen. Erfahren Sie außerdem, wie sich Akupunktur und Muskelentspannung positiv auf die Migräne auswirken können.

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1AWMF online: Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG)
Abgerufen unter: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/062-005l_S2k_Behandlung_Migraene_und_idiopathische_Kopfschmerzsyndrome_in_Schwangerschaft_und_Stillzeit_01.pdf (Stand: 11.10.2017).

2 Ebd. S2.

3 Ebd. S3.

4 Ebd. S2.

5 Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie: Ernährung in der Schwangerschaft – Handlungsempfehlungen KOMPAKT Abgerufen unter: https://www.bundesstiftung-mutter-und
kind.de/fileadmin/inhalt_dokumente/Handlungsempfehlungen_Schwangere.pdf/
(Stand: 19.12.2017).