Migräne & Arbeit: Offen über die Erkrankung sprechen

Zwei Männer reparieren ein Auto in der Werkstatt: Einer leidet an Migräne, die ihn zwingt, kurzfristig seine Arbeit zu unterbrechen.

„Der macht doch schon wieder blau“, „Migräne, ein super Vorwand für ein verlängertes Wochenende“, „Drückeberger“, „Mein Gott, ist der wehleidig, sind doch nur Kopfschmerzen“ – Kommentare aus dem Arbeitsumfeld, auf die Migränepatienten gut verzichten können. Möglicherweise kommen solche Aussagen zustande, weil ein generelles Unwissen über die schwerwiegende neurologische Erkrankung Migräne herrscht und es an transparenter Kommunikation am Arbeitsplatz zwischen Betroffenen und Kollegen oder Vorgesetzten mangelt. Ein offenes Gespräch kann helfen.

Migräneauslöser am Arbeitsplatz

Haben Sie gewusst, dass es auch einige Migräneauslöser (sogenannte Trigger) gibt, die im direkten Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz stehen? Beispiele für solche Auslöser können sein:

  • flackernde Bildschirme
  • häufiger Kundenkontakt (große Belastung, da es durch das Kundenaufkommen zu hohem Arbeitsdruck kommt und Hektik sowie Stress entstehen können)
  • Stress
  • Gerüche (wie Parfüm oder Schweiß)
  • Lärm und laute Geräusche (zum Beispiel im Großraumbüro oder in der Werkstatt)
  • körperliche Anstrengung

Einige dieser Faktoren lassen sich sicher abstellen. Bitten Sie Ihren Vorgesetzten zum Beispiel darum, Trennwände im Großraumbüro aufzustellen, um die Geräuschkulisse aus klingelnden Telefonen, Gesprächen und surrenden Kopierern und Druckern zu verringern. Um etwas Abstand zur langen Bildschirmarbeit zu gewinnen, kann es helfen, mit bestimmten Übungen den Augen und der Muskulatur eine kurze Ruhepause zu gönnen. Manche Firmen laden sogar Trainer ein, die den Mitarbeitern zeigen, wie Sie Körper und Geist für einen kurzen Moment am Arbeitsplatz entspannen können, um anschließend wieder leistungsfähiger zu sein.

Mit Migräne arbeiten gehen

Wen eine akute Migräneattacke ereilt, der muss seine Arbeit meist für einige Stunden bis hin zu mehreren Tagen ruhen lassen. Wie der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte e.V. in einer Pressemitteilung berichtet, belegt Migräne direkt nach Depressionen Platz zwei bei den Erkrankungen, die die höchsten indirekten Kosten durch einen Arbeitsausfall verursachen.1

Aus Angst vor Konsequenzen, wie einer Degradierung vom Chef, einer Abmahnung oder gar einer Kündigung, beschließen viele Menschen dennoch, mit Migräne arbeiten zu gehen. Und das, obwohl sie eigentlich nur eines bräuchten: Ruhe und einen abgedunkelten Raum, um sich während der Migräneattacke zurückzuziehen. Eines vorweg: Was das Arbeitsrecht betrifft, kann Ihnen bei Migräne nicht so ohne Weiteres gekündigt werden. Doch die Erkrankung erfordert einen offenen Austausch mit dem Arbeitgeber. Außerdem sollten Ihnen bei einer Krankschreibung keine Fehler unterlaufen.

Migräne: Suchen Sie das offene Gespräch in der Arbeit

Migräne ist nichts, wofür man sich schämen oder weswegen man Schuldgefühle haben müsste. Seien Sie daher selbstbewusst und legen Sie frühzeitig die Karten auf den Tisch: Sprechen Sie Ihren Vorgesetzten offen darauf an, dass Sie Migräniker sind, aber wissen damit umzugehen. Sei es, weil Sie zum Beispiel Medikamente haben, die Ihnen helfen, oder Sie auch mit nicht-medikamentösen Behandlungsmethoden gute Erfahrungen gemacht haben.

Machen Sie klar, dass es nicht an fehlendem Verantwortungsgefühl oder mangelndem Interesse für Ihren Job liegt, sondern dass die Migräne eine Erkrankung ist, die Sie zwingt, während einer Attacke zu Hause zu bleiben. Für solch offene Worte werden die meisten Vorgesetzten Verständnis haben. Gemeinsam können auch Lösungen erarbeitet werden, die es leichter machen, mit Migräneattacken am Arbeitsplatz umzugehen, zum Beispiel flexible Arbeitszeiten.

Vielleicht hilft es auch, sich den Zusammenhang zwischen Arbeitsrecht und Migräne immer wieder ins Gedächtnis zu rufen: Wer als verlässlicher und kompetenter Arbeitnehmer gilt und das, was er in der Arbeit tut, gut macht, dem kann wegen der Migräne allein nicht gekündigt werden.

Und was, wenn man Sie und Ihre Situation partout nicht verstehen will?

Es gibt Leute, für die Sie auch bei der sachlichsten Argumentation der „Drückeberger“ bleiben werden. Versuchen Sie, diese Gegenreaktionen einfach abprallen zu lassen. Ihren Unmut oder Frust darüber abzuladen, wirkt in diesen Fällen kontraproduktiv. Lassen Sie sich auf Ihrem Weg, mit Migräne in der Arbeit umzugehen, nicht beirren.

Gehen Sie gegenüber Kollegen und Vorgesetzten nicht zu sehr ins Detail, was die Einzelheiten Ihrer Erkrankung betrifft, sondern konzentrieren Sie sich darauf, auf sich und Ihre Gesundheit Acht zu geben. Schleppen Sie sich nicht auf Biegen und Brechen zum Arbeitsplatz, versuchen Sie stattdessen – wenn die räumlichen Möglichkeiten gegeben sind – sich bei einer akuten Migräneattacke während der Arbeitszeit in einen separaten, abdunkelbaren Raum zurückzuziehen.

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1Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte e.V. Abgerufen unter: http://www.vdbw.de/index.php?id=179&tx_ttnews%5Btt_news%5D=208&cHash=6f6f9db0b4&action= (Stand: 26.10.2017).